Begegnung mit der wahren Umweltsau

Bild von Andreas Lischka auf Pixabay

Man(n) muss verrückt sein. Sagt Frau. Es ist doch so schön im Bett. Draußen: Ein Grad. Nebelnässe. Dunkelheit. Sonntagmorgen in Deutschland, Winter, 7.30 Uhr. Geplant habe ich einen schönen Geländetrip vor der Haustür. Bis 9.45 Uhr habe ich Zeit – für 25 Kilometer. Mit Bäckereibesuch und anschließendem Frühstück zu dritt.
Kein Mensch ist auf der Straße. Kein Auto ist zu sehen. Nur ab und zu brennen Lichter in den Häusern. Die ersten Schritte über den Stadtwall sind hart. Gleich werde ich meinen nicht zu bremsenden Kumpel abholen, der die ersten Kilometer gerne sehr schnell angeht, damit er sich auf der zweiten Hälfte der Strecke richtig quälen kann. Wer ein Kind hat oder zwei, nutzt gern die Frühschicht, um hinterher Zeit für die Familie zu haben. Schließlich warten noch Mini-Kirche und anschließend Turnen mit der Kleinen.
Nach einer halben Stunde ist es hell, das profilierte Gelände erreicht. Nebel steht über den Feldern. Ein mystischer Moment. Wir sind allein in der Natur. Ich freue mich, dass ich aufgestanden bin und meinen Trip in den Wald genießen darf.
Zurück geht es über einen sonntags zugänglichen Standortübungsplatz. Wir sind bei 4:50 Minuten pro Kilometer. Nach 20 Kilometern und abgenutzter Dämpfung meiner Trailschuhe, von denen ich mich einfach nicht trennen will, bin auch ich froh, in 25 Minuten zu Hause zu sein. Ich renne drauf los und bin gut gelaunt. Bis der Anblick eines SUVs vor der Bäckerei meine gute Laune schlagartig zunichte macht. Frau auf dem Beifahrersitz, Kind hinten, laufender Motor. Drinnen treffe ich dann auf fünf Personen in der Schlange und kann – ohne den Mann zu kennen – diesen sofort ausmachen. So sieht sie also aus, die Umweltsau. Er lässt sich in seinen Sitz fallen und fährt los.
Vier Minuten später werde ich ihn in der Nachbarstraße wiedersehen. Ich bin 800 Meter gelaufen, da sind die drei gerade mal ausgestiegen. Wie kommen sie nur ohne Auto die Treppe hinauf? Mein inneres Lächeln kehrt zurück, wenn ich den Mann schnaufen sehe. Nach 800 Metern Autofahrt, nicht nach 25 Kilometer Laufen.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*