Von echten und unechten Tieren

Bild von Thomas Hendele auf Pixabay

Nach langer Zeit war ich endlich mal wieder Traillaufen in den Bergen. Das Wetter war geradezu ideal – ganz anders als in den vergangenen Wochen, als ich mich mit meiner Erkältung nicht aus dem Haus traute, schien die Sonne. Los ging es in den Teutoburger Wald. Zweieinhalb Stunden und knapp 600 Höhenmeter sollten es sein – schließlich stand am Wochenende drauf ein knapp 25 Kilometer langer Berglauf an.
Vor dem Parkplatz türmte sich auch schon der erste Hügel auf. Hügel? Verdammt, das ist ein richtiger Berg. Jedenfalls kam es mir nach knapp zwei Monaten Berglauf-Trainingspause so vor. Munter meisterte meine Gruppe den Anstieg, ich war ganz schön aus der Puste und hechelte hinterher. Ich brauchte erst mal fünf Kilomter, um meinen Körper richtig hochzufahren und in Schwung zu kommen. Lange Berglauf-Abstinenz und eine neuntägige Erkältungs-Laufpause haben mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, dass die Kondition selbst nach geglücktem Herbst-Marathon nicht endlich ist. Zum Glück lief es die nächsten Anstiege besser und ich hatte sogar mal die Ehre, als Erster oben zu sein, weil ich einen Formtest für den nächsten Wettkampf machen wollte. „Du Tier!“, begrüßten mich daraufhin Läufer 2 und 3. Zugegeben: Ich hätte nie so viel Pulver verschosssen, hätte ich auch nur eine Stunde länger durchhalten müssen.
Wobei wir beim Thema wären: Es gibt die echten Tiere beim Berglauf, die 100 Kilometer am Stück schaffen und dabei vierstellige Höhenmeter zurücklegen. Und es gibt Läufer, die halten sich zwar mit dem Tempo zurück, schaffen dafür aber Streckenlängen, von denen ich nur träumen könnte. Auch das ist eine Kunst, so mit den Kräften zu haushalten, dass man am Ende halbwegs lebendig über die Ziellinie kommt. Ich habe eine Hochachtung vor ihnen – für mich sind das die echten Tiere. Egal wie lang oder wie schnell wir unterwegs sind – stolz sein dürfen wir am Ende alle auf das, was wir geleistet haben. Und froh sein, dass wir die Natur genießen können.

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