Coronavirus: Wenn alles ruht

Bild von Tumisu auf Pixabay

Der Lauf durch die Stadt ist ein anderer. Da ist als Erstes die Hundebesitzerin, die sich einen Schal tief vors Gesicht gezogen hat, als wenn das helfen würde. Als ich mit meiner Kleinen im Laufwagen ankomme, springt sie drei Meter zur Seite und schaut hinunter. Beim Bäcker in der Schlange halten die meisten Abstand. Eine Frau kommt mir etwas näher – ich fühle mich unwohl, halte zugleich die Luft an.

Das Coronavirus hat uns Menschen im Griff. So paradox es klingt: Die Menschen in der Stadt scheinen aufeinander zuzugehen, auch wenn sie sich gleichzeitig auf Distanz halten. In Facebook-Gruppen bieten sich Jüngere an, für die Älteren Einkaufen zu gehen. Keiner weiß, was noch alles kommen mag. Die Lage ist gespenstisch. Die Vögel singen, die Sonne scheint, nur die Gefahr sieht man nicht. Oder jemand scheint sie zu sehen, weil ein Mensch ihm entgegenkommt.

In meinem Lauftreff bin ich die Person, die am Ende entscheiden muss oder alternativ eine Entscheidung bekanntgeben muss, was stattfindet und was nicht. Das Helferfrühstück für unseren Volkslauf, unsere Laufkurse, unser regelmäßiger Lauftreff. Und das, während sich die Nachrichtenlage Tag für Tag ändert. Seitdem die ersten Schulen geschlossen wurden, weiß ich: Eine Absage in diesen Tagen ist das einzig richtige. Wer sich vor seine Leute stellen möchte, der muss sie schützen. Erst recht die Menschen über 70, die selbstbewusst verkünden, auf jeden Fall zu kommen. Übrigens auch vor die, die alles nur als Panikmache abtun. „Danke fürs Entscheiden“, schreibt einer in unsere Orga-Team-Gruppe. Das tut gut. Denn eine Laufveranstaltung abzusagen, ist sicherlich nicht das, wovon man selbst träumt.

Laufen gehen werde ich die nächsten Tage trotzdem. Allein und nicht in der Gruppe. Mit meiner Tochter, die mir sowieso nicht von der Stelle weicht. Wenn hätte sie das Virus schon, oder ich von ihr. Uns geht es aber gut. Möge es so bleiben. Viren sitzen nicht im einsamen Wald auf dem Baum und lassen sich wie Zecken auf einen herabfallen. Sie sind dort, wo Menschen zusammenhocken. Zum Beispiel auf einem Bolzplatz, an dem ich vorbeikomme, wo bestimmt 50 Leute zusammenhocken und spielen. Wir müssen jetzt vernüftig sein, damit wir bald wieder zusammen laufen können. Und keine italienischen Verhältnisse bekommen.

 

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