Intervalle: „Ihr werdet es lieben“

Manche lieben es. Und manche müssen es lieben. Obwohl sie es in Wirklichkeit hassen. Leichtathleten würden den speziellen Geruch der Tartanbahn sogar mit verbundenen Augen erkennen. Nur wäre da die Orientierung ein bisschen schlecht. „Blinde Kuh“ auf der Laufbahn – das wäre doch mal was Neues fürs nächste Intervalltraining! 100 Meter geradeaus, 100 Meter um 90 Grad um die Kruve, 100 Meter geradeaus – kann doch eigentlich  gar nicht so schwer sein. Und meine Kursteilnehmer hätten das Gefühl, mit einem Siebener-Schnitt pro Kilometer zu den ersten zu gehören.

Intervalltraning – das eigentliche Stichwort. Wer schneller werden möchte, der muss sich dieser Herausforderung stellen. Ob er oder sie will oder nicht. Auf der Bahn oder als Fahrtspiel im Gelände. Moment? Was heißt hier „Spiel“? Wenn einem der Schweiß nur so von der Stirn tropft, ist entweder Hochsommer, oder man hat sein Wohlfühltempo deutlich überschritten. Oder beides.

Am schönsten ist die Intervallfolter in der Gruppe auf dem Sportplatz. Denn man kann sich gegenseitig motivieren. Als Trainer mache ich immer selbst mit. „Ihr werdet es lieben“ – diese augenzwinkernd von mir formulierte Weisheit hat sich so fest in den Köpfen meiner Teilnehmer eingebrannt, dass ich fest behaupten kann, dass nun keiner mehr an der schwersten Hürde scheitert. Zum Beispiel, wenn bei einem Halbmarathon schon nach fünf Kilometern die erste Anhöhe kommt und man sich fragt, warum man sich das hier eigentlich antut. „Ihr werdet es lieben“ wurde zum Mantra bei meinen Trainingsopfern. Nicht nur beim Wechsel zwischen 200, 400 und 600 Metern Schnelltempo auf der Bahn und anschließendem Auslaufen. Neulich fand ich den Spruch zufällig unter meinem Porträtbild in der Trainingsgruppe wieder. Sehr lustig 🙂 Nur gut, dachte ich mir, dass dieses Bild neulich nicht öffentlich neben der Kilometermarke 36 auf der Marathonstrecke plakatiert war. „Ihr werdet es lieben“ – den Spruch hatte auch ich vor Augen. Allerdings dauerte es noch rund sechs Kilometer und eine halbe Stunde, bis aus der Ironie eine Wahrheit wurde – mit Tränen in den Augen und der Finisher-Medaille um den Hals.

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