Frostbeulen

Die Abendsonne steht über dem Lauftreff-Parkplatz. Die Temperatur: 16 Grad. Mit T-Shirt und kurzer Hose mache ich mich auf den Weg zum Parkplatz. Vorbei an zwei Frauen, die sich dort mit langer Hose, Shirt und Weste versammelt haben. „Du hast es aber wieder vor“, sagt die eine, nicht mich, sondern mein Outfit musternd. Ihrer Gesprächspartnerin fröstelt es schon beim Anblick. Versteinert steht sie da und bekommt kein Wort über die Lippen. Mich wundert es, dass sich die beiden nicht noch einen Schal übers Gesicht gezogen haben. Darunter vielleicht noch ein Halstuch, damit auch ja kein Luftzug an sie herankommt. und wo sind die Handschuhe.

Zehn Minuten später sehe ich sie gedanklich schwitzen, nachdem sie die ersten 1200 Meter zurückgelegt haben. Leider bekomme ich das nicht mehr mit, ich bin zu diesem Zeitpunkt schon 800 Meter weiter, jage meinen Puls entsprechend in die Höhe. Einer meiner Halbmarathon-Kursteilnehmer möchte mal wieder richtig gepusht werden, und das mache ich doch gerne. Schon nach wenigen Metern ist die anfängliche Herbst-Kühle verflogen. Nicht lange dauert es, und der Schweiß rinnt von der Stirn.

Eigentlich, denke ich, müsste es Frauen- und Männerthermometer geben. Während bei Männern der Nullpunkt dem tatsächlichen entspricht, ist der Frauen-Nullpunkt zehn Grad höher angesiedelt. Keine Diskriminierung, sondern Tatsache. Männer sprechen mich eher an, wenn ich mal in langer Laufkleidung komme.

Die beiden Frauen haben mich noch nie mitgenommen. Schade eigentlich. Denn auch ich kann langsam laufen, was mir in der Gruppe aber offenbar nie jemand zutraut. Ich würde sie so gerne schwitzen sehen. Nur zugeben würden sie es nicht…

Jetzt starten bald wieder untere Laufkurse. Wetten, dass ich bei 15 Grad wieder eine Teilnehmerin mit Daunenweste treffen werde? Ich gehe stark davon aus, dass es aber nur bei einem Mal bleiben wird. Denn sie kommt ins Schwirtzen. Garantiert.

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